Gelderland MVZ

Wir haben uns nie verbieten lassen, selbst zu denken

15.04.2010
Ein Interview mit Schwester M. Basina Kloos
Schwester M. Basina Kloos

Waldbreitbach. Mitte Februar ist sie 70 Jahre alt geworden. Und auch wenn Schwester M. Basina Kloos offen zugibt, dass ihr das Älterwerden durchaus nicht gleichgültig ist, so hat sie die 70 und das neue Lebensjahrzehnt doch mit der ihr gewohnten Gelassenheit angenommen. Wenn es um die Zukunft der Unternehmen geht, für die sie seit Jahren oder Jahrzehnten Verantwortung trägt – als Generaloberin der Franziskanerinnen ist sie Gesellschafterin der Marienhaus GmbH, in der cusanus trägergesellschaft trier mbH hat sie das Amt der Vorsitzenden der Hildegard-Stiftung und der Aufsichtsratsvorsitzenden inne –, da geht diese Gelassenheit mit einer gehörigen Portion Entschlossenheit einher.


Schaut man auf den Hochwald-Verbund oder den Zusammenschluss der Krankenhäuser in Saarlouis und Dillingen, so wird eines ganz deutlich: Die Träger rücken enger zusammen. Nur gemeinsam werden sie Zukunft gestalten können. Das ist auch die Kernbotschaft des Interviews, das wir – Dr. Claudia Gerstenmaier und Heribert Frieling – mit Schwester M. Basina geführt haben und gleichzeitig im ctt-spectrum und im Marienhaus-Echo veröffentlichen.


Als 2003 die so genannte katholische Lösung bei der ctt in Angriff genommen wurde und Sie dort Verantwortung übernommen haben, da haben viele sicher nicht gedacht, welche Auswirkungen das auf beide Trägerschaften haben würde. Wie sehen Sie rückblickend diese Entwicklung?

Als Kardinal Lehmann den Berater der Banken zu mir schickte und mich bat, für die ctt Verantwortung zu übernehmen, da habe ich schnell Ja gesagt. Das Ziel, das Bischof Spital Mitte der 80er Jahre mit der Gründung der ctt verfolgt hat, nämlich einen Träger zu schaffen, der Einrichtungen im kirchlichen Bereich erhält, wenn Ordensgemeinschaften das aufgrund ihrer Altersstruktur nicht mehr können, fand ich konsequent und richtig. Natürlich hat auch meine Verbundenheit zur Kirche und das Gefühl, dass wir es nicht zulassen dürfen, dass die ctt zerschlagen wird und die Einrichtungen womöglich an private Träger gehen, eine wichtige Rolle gespielt. Wir sind angetreten, um Strukturen und Voraussetzungen zu schaffen, damit die Einrichtungen und die Arbeitsplätze – die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten für die Schieflage ja nichts – erhalten bleiben. Wie das gehen könnte, das wussten wir damals noch nicht. An eine mögliche trägerübergreifende Zusammenarbeit in den Regionen habe ich – das sage ich ganz offen – damals schon gedacht. Denn unsere Einrichtungen liegen an verschiedenen Orten nicht weit voneinander entfernt. Und nicht nur im Saarland gibt es zu viele Krankenhäuser und Betten. Dass es da notwendig und sinnvoll sein könnte, Netzwerke zu bilden, stand für mich von vornherein fest.

 

Ist eines dieser Netzwerke, das jetzt verwirklicht wird, der  Hochwald-Verbund?
Ja; und das zweite ist dann die Zusammenführung unserer Krankenhäuser in Saarlouis und Dillingen. Wobei diese beiden Häuser dauerhaft nur als eine Einheit, also als ein Krankenhaus mit zwei Standorten, bestehen können. Und ein drittes Netzwerk, nämlich Bernkastel/Wittlich und das Brüderkrankenhaus in Trier, wird von einer Projektgruppe geprüft.

 

Es wird viel spekuliert, wie der Hochwald-Verbund einmal aussehen wird. Welche Vorstellungen verbinden Sie damit?

Beide Träger überlegen und prüfen gemeinsam und – das ist mir ganz wichtig zu sagen – auf Augenhöhe, welches die beste Lösung für die Menschen im Hochwald ist. Das tun sie aus betriebswirtschaftlicher Sicht, aber auch mit Blick auf die Menschen, die diesen Weg mitgehen müssen, und mit Blick auf den Erhalt der Arbeitsplätze. Gerade Letzteres ist mir nach wie vor ein großes Anliegen. Denn in einer Zeit, in der viele Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, haben wir eine besondere Verantwortung und müssen frühzeitig ein gutes Personalmanagement auf den Weg bringen. Das ist uns 2005 zusammen mit den Barmherzigen Brüdern in Bonn gelungen, als wir einen der drei Standorte des Gemeinschaftskrankenhauses schließen mussten und dabei ohne Kündigungen ausgekommen sind. Auch in der Zusammenarbeit des Gemeinschaftskrankenhauses in Bonn mit dem Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler zeigt sich, was gutes Personalmanagement ausmacht. Im Gemeinsamen Herz-Gefäß-Zentrum Rhein-Ahr gibt es jeweils einen Chefarzt für beide Standorte, die vor Ort von kompetenten Oberärzten unterstützt werden. Warum soll so etwas beispielsweise nicht auch im Hochwald gelingen? Mit solchen intelligenten Lösungen kann man nämlich auch die Arbeitsplätze wohnortnah erhalten.

 

Welche Weichen haben Sie in punkto Personalmanagement bereits gestellt?

Dafür haben wir Frau Dr. Tania Masloh verpflichtet. Sie ist Geschäftsführerin in beiden Trägerschaften – also Marienhaus GmbH und ctt – und wird die Fusion Saarlouis-Dillingen gestalten und die Kooperationsprozesse im Hochwald-Verbund begleiten.

 

Sie heben die besondere Verantwortung für die Arbeitsplätze der Menschen hervor. Bedeutet das, dass die  betriebswirtschaftlich sinnvollsten Lösungen nicht zwangsläufig die Lösungen sein müssen, die zum Schluss auch realisiert werden?
Ja, das ist meine Meinung. Deshalb müssen wir auch in alle Richtungen und ergebnisoffen prüfen. Ich bin grundsätzlich dafür, in Alternativen zu denken, und dagegen, nur eine Richtung in den Blick zu nehmen. Das umso mehr, als 2011 ein neuer Landeskrankenhausplan für das Saarland ansteht. Da müssen wir uns sämtliche Möglichkeiten und Alternativen genau anschauen. Wir haben uns schließlich nie verbieten lassen, selbst zu denken.

 

Während man  trägerintern noch mit den Vorarbeiten für den Verbund beschäftigt ist, weht beiden Trägern im Hochwald von außen ein scharfer Wind ins Gesicht. Nehmen Sie das auch so wahr?

Teilweise stimmt diese Wahrnehmung. Die Politik auf Landes- und Kommunalebene steht hinter uns. Aber etwas anderes stört mich mehr: Ich nehme auf beiden Seiten viele Eigeninteressen wahr. Das ist anstrengend zu durchschauen. Dabei können wir die Zukunft nur positiv gestalten, wenn wir ein gemeinsames Ziel verfolgen und der Dienst am Menschen im Vordergrund steht.

 

Themenwechsel. Kommen wir auf die aktuelle Situation in Saarlouis und Dillingen zu sprechen. Wie sehen Sie dort die Entwicklung?

Das läuft wohl, ich habe es eingangs schon gesagt, auf ein Krankenhaus mit zwei Standorten hinaus. Die Arbeitsgruppen haben ihre Ergebnisse vorgelegt. Die Entscheidung wird bis Ende April getroffen. In  Dillingen muss man beachten, was auch bei sämtlichen Überlegungen für den Hochwald gilt: Das Haus hat eine langjährige Tradition, und außerdem hat Dillingen viele Patienten, die bewusst hierher kommen, weil sie sich in einem Haus überschaubarer Größe wohler fühlen. All das muss man berücksichtigen; denn letztlich stimmen die Patienten mit den Füßen ab.

 

Das gilt aber natürlich auch für den Hochwald. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Unterschiede zwischen den Häusern im Hochwald und den beiden Kliniken in Saarlouis und Dillingen?

Der Hochwald bietet mit seiner Größe auch interessante Möglichkeiten zur Nutzung von Synergien. Ich denke da beispielsweise an Losheim mit seiner Konservativen Orthopädie und die Reha-Klinik in Weiskirchen. Aber die Herausforderungen an diesen Standorten sind ganz andere als in Saarlouis und Dillingen.


Diese Zeiten des Aufbruchs stellen ja auch an die einzelnen Mitarbeiter besondere Anforderungen. Was würden Sie den Mitarbeitern in der derzeitigen Situation mit auf den Weg geben?

Dass sie Vertrauen setzen müssen in die handelnden Personen und sie sicher sein können, dass diese im Interesse der Mitarbeiter ihre Entscheidungen treffen. Ich persönlich möchte ihnen mit auf den Weg geben: Wir arbeiten daran, vernünftige Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Dabei werden wir die Arbeitsplätze und die Menschen stets im Blick haben. Der Verbund ist gesetzt und ohne Alternative. Das sehen Gesellschafter und Aufsichtsrat so. Denn es kann weder Lebach allein auf Dauer existieren noch Hermeskeil, Wadern und Losheim. Ich sehe keine andere Lösung. Und dass Kooperationen nicht nur Freude machen, das darf ich Ihnen sagen.

 

Was uns in Zukunft sicher Freude machen wird, ist die Consultingfirma mit Sitz in Bendorf. Die Aufgabe von Burkhard Nauroth, der bis Ende 2009 Geschäftsführer der ctt war, und Bernhard Inden (Stabsstelle Fundraising und Marketing der Marienhaus GmbH) wird es sein, Konzepte beispielsweise für neue Wohnformen im Alter zu entwickeln. Ist das ein neues gemeinsames Tätigkeitsfeld im Bereich der verbundenen Unternehmen?

Ja; auf den gesellschaftlichen Wandel im Hinblick auf die Betreuung im Alter müssen beide Träger eine Antwort geben. Hier haben wir einigen Nachholbedarf; denn selbst wir im Orden denken ja über neue Wohnformen im Alter nach. Dieses Feld wollen wir gemeinsam beackern. Dabei geht es um die Frage: Wie können wir Modelle schaffen, die es den Menschen ermöglichen, auch im Alter möglichst lange zu Hause zu leben? Dass das etwa mit einer mobilen Betreuung, die vom Heim gemeinsam mit der Sozialstation organisiert wird, funktionieren kann, zeigen uns Projekte in einigen Großstädten auf.

 

Diese Firma arbeitet aber nicht exklusiv für ctt und Marienhaus GmbH?

Trägerübergreifend heißt natürlich, dass die Beratung auch in andere Orden und Träger hinein bereits läuft. Ist das Ihre Zukunftsvision, einen Verbund von freundschaftlich verbundenen Trägerschaften zu bilden? Meine Zukunftsvision ist inzwischen nicht mehr der Verbund, sondern ein gemeinsames katholisches Dach für die Gemeinschaften und Träger, die es wollen und dafür eine Notwendigkeit sehen. Die  einzelnen Träger behalten eine gewisse Eigenständigkeit. Eine übergreifende Koordination in verschiedenen Bereichen kann weitere Synergien ermöglichen und über Tochtergesellschaften mit weiteren Trägern gute Chancen bieten.

 

War die Gründung der Hildegard-Stiftung 2009 Ausdruck dieser Vision?

Daran haben wir bei der Gründung der Hildegard-Stiftung nicht gedacht. Es wäre schon mein Traum, dass die katholischen Träger im Gesundheits- und Sozialbereich miteinander Zukunft gestalten, auch im Hinblick auf die immer gravierender werdenden ethischen Fragestellungen. So würde Kirche in
diesen Einrichtungen auch weiterhin sichtbar und erfahrbar bleiben. Dass dies gelingt, davon träume ich. 

 

 

Das Interview mit Schwester M. Basina Kloos führten Dr. Claudia Gerstenmaier und Heribert Frieling. Foto: Heribert Frieling

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