Im Gespräch mit Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

Brigitte Maßem und Dr. Markus Mai

Brigitte Maßem, Leiterin des ctt-Fortbildungszentrums, im Gespräch mit Dr. Markus Mai, Präsident der Landespflegekammer Rheinland-Pfalz

26. November 2019

Dr. Markus Mai blickt auf eine langjährige Erfahrung im Bereich der Pflege zurück. Seit August bringt er sich auch als Dozent zu den Themen Professionsentwicklung und berufliche Selbstverwaltung am ctt-Fortbildungszentrum ein.

 

Herr Dr. Mai, auf der pflegepolitischen Bühne tut sich gerade sehr viel. Welche Themen sehen Sie aktuell im Fokus? 
Mich beschäftigen ganz besonders die Arbeitsbedingungen in der professionellen Pflege. Wir sehen im Gesetzgebungsprozess einige Fortschritte und freuen uns über diese. Doch das Pflegepersonal-Stärkungsgesetz (PpSG) und die Konzertierte Aktion Pflege (KAP) werden nicht ausreichen, um langfristige Verbesserungen herbeizuführen. Es bedarf größerer Entlastungen wie beispielsweise dem Abbau von bürokratischen Hürden und auch einer besseren Vergütung der Pflegefachkräfte. Mit nur einem allgemeinverbindlichen Tarifvertrag wird im Berufsstand nicht mehr Geld verdient.
Wir sprechen uns auf den verschiedensten Ebenen dafür aus, dass Pflegefachpersonen für ihr tagtägliches Engagement ein angemessenes, im Vergleich zu heute ein wesentlich höheres Gehalt bekommen. Die Frage, die mich umtreibt, ist folgende: Welche Maßnahmen müssen umgesetzt werden, damit zum einen die Fluktuation in der beruflichen Pflege reduziert wird und wie können wir junge Menschen dafür begeistern, sich für unsere Berufsgruppe zu entscheiden? 
Wenn wir nicht die richtigen Arbeitsbedingungen, Entlohnung und Ausbildungsmöglichkeiten bieten können, wird uns eine schwere Zeit bevorstehen. Eine Zusammenarbeit zwischen Pflegekammern, Berufsverbänden und Gewerkschaften ist dafür unerlässlich. Ich bin zuversichtlich, dass wir gemeinsam das Ruder umreißen können. Die Betonung liegt auf gemeinsam.

Mit welchen Anliegen treten die Pflegefachkräfte am häufigsten an Sie heran? Können Sie in allen Fällen helfen?
In der Regel handelt es sich bei den Anliegen der Mitglieder um pflegefachliche oder pflegerechtliche Fragestellungen. Derzeit erreichen uns sehr oft Anfragen zum Pflegeberufegesetz oder der von uns konzipierten Berufsordnung. Die Mitglieder wollen zum Beispiel wissen, wozu eine Berufsordnung nötig ist und welche Auswirkungen sie haben kann. Auch werden wir gefragt, wie man sich korrekt bei uns registrieren kann oder ob wir Tipps in Form einer Karriereberatung anbieten können. Hier können wir schnell und kompetent reagieren. Arbeitsrechtliche Themen, wie etwa Regelungen zur Arbeitszeit oder Tarifverhandlungen können von uns nicht geklärt werden. In diesen Fällen vermitteln wir die Mitglieder an die entsprechenden Ansprechpartner weiter. 

Die Landespflegekammer Rheinland-Pfalz hat kürzlich erstmals verlässliche Daten zur Altersstruktur ihrer Mitglieder veröffentlicht. Demnach ist ein Drittel aller Pflegefachpersonen in Rheinland-Pfalz über 51 Jahre alt, fast 60 Prozent sind über 41 Jahre (vgl. Pflegekammer Jahresausgabe 2019, Seite 22). Wie geht die Landespflegekammer mit dieser Erkenntnis um?
Die Landespflegekammer hat vor einigen Monaten ein Positionspapier zu diesem Thema veröffentlicht. Darin werden Maßnahmen zum Schutz älterer Arbeitnehmer aufgelistet. So setzen wir uns etwa für die Schaffung altersgerechter Arbeitsplätze und für flexiblere Arbeitszeiten ein. Weiterhin sind pflegeunterstützende Ausstattungen am Arbeitsplatz sowie ausreichende Regenerationszeiten erforderlich. In jeder Einrichtung sollte eine Arbeitskultur geschaffen werden, die das berufliche Pflegen im hohen Alter begünstigt und älteren Pflegefachpersonen die nötige Wertschätzung schenkt. Dies gelingt nur, wenn älteren Arbeitnehmern anspruchsvolle Aufgaben übertragen werden und sie die Möglichkeit erhalten, an Fort- und Weiterbildungen teilzunehmen.
Gleichzeitig sollten wir dies auch aus demografischer Sicht betrachten: Was passiert, wenn Pflegefachkräfte in den verdienten Ruhestand gehen und wir junge Menschen nicht für den Beruf begeistern können? Hier sind wir wieder bei dem vorhin genannten Punkt der Fluktuation, der mir Sorge bereitet, angekommen. Neben den Vorkehrungen zum Schutz älterer Arbeitnehmer sollten wir in die Ausbildung und die Arbeitsbedingungen investieren, damit keine Lücke entstehen kann, die das gesamte Gesundheitswesen beeinflussen wird.

Dr. Markus Mai ist seit August als Dozent für Professionsentwicklung und berufliche Selbstverwaltung an unserer trägereigenen Fortbildungsstätte dem ctt-Fortbildungszentrum tätig. Auf der Webseite des ctt-Fortbildungszentrums können Sie sich über aktuelle Bildungsangebote informieren und diese gleich online buchen.

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